Klage gegen die Videobeobachtung

Die Initiative Kameras stoppen unterstützt eine bereits laufende Klage eines Anwohners gegen die Videoüberwachung in der Stadt Köln. Auf dieser Seite informieren wir über den aktuellen Stand sowie die vorgebrachte Argumentation (langer Text, Lesedauer ca. 17 Minuten):

Stand des Verfahrens am 13.05.2019

Was will der Kläger?

Der Kläger hat vor dem Verwaltungsgericht Köln im Juni 2018 eine Klage mit drei Anträgen gegen die seit 2016 bestehende und die weitere geplante polizeiliche stationäre Videobeobachtung erhoben.

Zuvor hatte er drei Anfragen an das Polizeipräsidium Köln hinsichtlich der  gesetzlichen  Voraussetzungen sowie der Begründung zur Einführung der Videobeobachtung und des Verfahrens bei Versammlungen gestellt.

Diese Anfragen wurden entweder gar nicht oder nur rudimentär und in einem Fall nur kostenpflichtig beantwortet. Auf die Klage aus Juni 2018 hat das Land NRW/das Polizeipräsidium im Oktober 2018 erwidert und ihren lediglich aus 68 !! Seiten bestehenden Verwaltungsvorgang zur stationären Videobeobachtung dem Gericht übersandt. Der Kläger hat im Januar 2019 erneut seine Auffassungen begründet und ergänzend vorgetragen. Bis heute steht eine erneute Stellungnahme des Landes NRW/PP Köln aus (Stand: 13.05.2019).

1. Klageantrag: Unterlassung der stationären polizeilichen Beobachtung in den bereits beobachteten Bereichen (Bahnhofsvorplatz/Umgebung Dom sowie Hohenzollernring und Teile des Kaiser-Wilhelm-Rings)

Dem Kläger ist bewusst, dass im Bereich des Doms oder auf den Ringen wie in vielen Bereichen der Stadt immer wieder Straftaten begangen werden. Solche Orte einer Großstadt werden nie deliktfrei sein. Nach Ansicht des Klägers kann dies aber nicht rechtfertigen, beliebte und stark frequentierte öffentliche Plätze einer Großstadt wie Köln (möglicherweise dauerhaft) mit Videobeobachtung zu versehen.

Denn bei der polizeilichen Videobeobachtung werden überwiegend nicht wegen Straftaten auffällige Personen erfasst. Die Beobachtung geschieht hier ohne jeglichen Anlass. Sie stellt nach gefestigter Rechtsprechung einen Grundrechtseingriff dar, der nur durch die besonderen Voraussetzungen des § 15a PolG NRW gerechtfertigt sein kann und zudem verhältnismäßig sein muss.

Auch die Speicherung von Bildmaterial aller von den Kameras erfasster Passant*innen ohne besonderen Grund in Köln für 14 Tage und die umfangreiche Sammlung von Datenmaterial von staatlicher Seite, welches auch immer ausreichend vor dem Zugriff Dritter geschützt werden muss, muss in die Betrachtung der  Rechtmäßigkeit zunehmender polizeilicher Videobeobachtung einbezogen werden.

Neben dem tatsächlichen Vorliegen der tatbestandlichen Voraussetzungen des § 15a PolG NRW ist es daher wichtig, dass die polizeiliche Videobeobachtung in einem ordnungsgemäßen Verfahren eingerichtet wird, welches auch fortlaufend dokumentiert wird.

Der Kläger hat berechtigten Zweifel, dass die stationäre polizeiliche Videobeobachtung von dem Polizeipräsidium Köln bereits schon nicht in einem formell ordnungsgemäßen Verfahren eingerichtet wurde.

Im Rahmen des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens hat das Land NRW/das Polizeipräsidium Köln eine nach dem Gesetz erforderliche Dienstanweisung/Dienstanordnung für diese polizeiliche Maßnahme bisher nicht vorgelegt.

Dem Gericht übersandt wurde bis jetzt lediglich eine „Vorläufige Handlungsanweisung“ aus Februar 2017. Beobachtet wird jedoch am Bahnhofvorplatz und am Dom bereits seit Dezember 2016. Laut dem Kläger genügt aber auch diese – von der Polizei selbst als nur vorläufig bezeichnete – Handlungsanweisung aus Februar 2017 nicht den gesetzlichen Kriterien.

Ebenso unklar ist bis jetzt, ob, durch wen und wann eigentlich die zwischenzeitlich erfolgte Ausdehnung der Beobachtung und Aufzeichnung auf 24 Stunden täglich angeordnet worden ist.

Das Gericht hat daher die Polizei aufgefordert, entsprechende Anordnungen vorzulegen.

Auch moniert der Kläger, dass das Polizeipräsidium vor der Inbetriebnahme seiner Maßnahme aufgrund der zahlreichen Grundrechtseingriffe mittels einer technischen Einrichtung zwingend eine sog. Datenschutzfolgeabschätzung hätte erstellen müssen. Diese soll das Polizeipräsidium dem Gericht nun ebenfalls vorlegen. Ferner bestehen hinsichtlich des Umfangs der polizeilichen Dokumentationspflichten für die bereits bestehende Beobachtung, Aufzeichnung und Speicherung zwischen den Beteiligten des Rechtsstreits offenbar Differenzen.

Der Kläger meint, dass die Polizei zwingend ihre Maßnahme fortlaufend nachvollziehbar, auch hinsichtlich ihrer Verhältnismäßigkeit zu dokumentieren hat. Wer sollte es sonst tun?

Nur so kann die polizeiliche Begründung für die zeitliche und räumliche Fortführung von Videobeobachtung sowohl für die Betroffenen als auch für die gerichtliche Überprüfung transparent gestaltet werden. Der Kläger versteht das PP Köln aber bisher so, als sei eine laufende gründliche Dokumentation lediglich dessen Kulanz geschuldet.

Insbesondere seien aber die tatbestandlichen Voraussetzungen der gesetzlichen Grundlage des § 15a PolG NRW von dem Polizeipräsidium bisher nicht nachvollziehbar begründet worden.

Nach Auffassung des Klägers ist insbesondere die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme angesichts des Grundrechtseingriffs zahlreicher anlasslos beobachteter Personen (am Dom/Hbf dürften es täglich um die 200.000 Personen sein) nicht (erkennbar) abgewogen worden. Bei einem Grundrechtseingriff dieser Art muss aber zwingend eine Abwägung mit Grundrechten der beobachteten Menschen, auch hinsichtlich jeder einzelnen Örtlichkeit erfolgen.

Polizeiliche Videobeobachtung auf öffentlichen Plätzen und Straßen kann nur verhältnismäßig sein, wenn potentielle Straftaten tatsächlich durch Videobeobachtung verhindert werden können.

Naturgemäß kann es sich bei diesen Delikten nur um typische Straßendelikte handeln, also nur solche Delikte, die überhaupt von Videobeobachtung erfasst werden können.

Ob aber z.B. Taschendiebstahl oder BtM-Delikte tatsächlich durch Videobeobachtung verhindert oder sogar aufgeklärt werden können, erscheint dabei durchaus fraglich. Die Polizei Köln nimmt die Bewertung von sog. Kriminalitätszahlen anhand von allgemeinen Auswertungen ihrer Einsatzstatistik sowie ihrer Ausgangsstatistik auf bestimmten öffentlichen Plätzen und Straßen vor.

Ob dieses Verfahren der statistischen Erhebung zur Bewertung von Kriminalität überhaupt rechtlich belastbares Material auswirft, will der Kläger mit seiner Klage geklärt wissen.

Schließlich sagen beide Statistiken nichts darüber aus, ob tatsächlich strafrechtlich relevantes Verhalten durch Videobeobachtung beobachtet, verhindert oder aufgeklärt werden konnte. In der Ausgangsstatistik der Polizei schlägt sich gerade nicht nieder, ob Straftaten von der Staatsanwaltschaft angeklagt bzw. später auch gerichtlich festgestellt worden sind. Die entsprechenden Einsatzzahlen in bestimmten Bereichen (beobachtet oder nicht) sind nach Auffassung des Klägers ebenso durch andere polizeiliche Maßnahmen bedingt (z.B. durch die hohe Polizeipräsenz an Wochenenden auf den Ringen).

Die Statistiken zu den Kriminalitätszahlen aus 2015-2017, die das Polizeipräsidium in seiner bisherigen Klageerwiderung vorgelegt hat, hält der Kläger für inkonsistent. Zahlen zu 2018 hat das Polizeipräsidium bisher nicht vorgelegt.

Die bisher vorgelegten „Kriminalitätszahlen“ des PP Köln, beziehen zum Teil offenbar auch Delikte mit ein, die nicht der Straßenkriminalität zuzuordnen sind, wie z.B. den Ladendiebstahl. Auch werden für gleiche Zeiträume zum Teil ganz unterschiedliche Zahlen vorgelegt.

Ein Rücklauf der Staatsanwaltschaft oder der Gerichte zu tatsächlich angeklagten und verfolgten Straftaten, um eine Effizienz der Videobeobachtung überhaupt erst feststellen zu können, ist bisher ebenfalls nicht vorgelegt worden.

Dabei solle doch die 14-tägige Speicherungsdauer aller Aufnahmen laut Polizeipräsidium den erst mit zeitlichem Verzug nach der Tat eingehenden strafrechtlichen Anzeigen zur Beweissicherung (Archivierung) dienen.

Wie viele Anfragen aus Polizei und Staatsanwaltschaft in dem Zusammenhang aber seit 2016 überhaupt eingegangen sind, kann den an das Gericht übersandten Unterlagen nicht entnommen werden.

Aus den vorgelegten Unterlagen ergibt sich aber, dass im Jahre 2017 im beobachten Bereich des Dom/Hbf  (immerhin schon mit 25 Kameras bestückt) 85 solcher Archivierungsvorgänge zur Beweissicherung gefertigt worden sind. Eine sehr geringe Zahl, findet der Kläger, angesichts der unfassbar großen Anzahl anlasslos beobachteter Personen für 24 Stunden jeden Tag sowie der Speicherung  ihrer Bilddateien für generell 14 Tage.

Der Kläger hat somit im Januar 2019 erwidert, dass das bisher vorgelegte Zahlenmaterial und die weiteren übersandten Unterlagen des Polizeipräsidiums nicht geeignet sind, entsprechende erforderliche Kriminalitätszahlen für die Notwendigkeit der Videobeobachtung, ihren Erfolg in den bereits beobachteten Bereichen, geschweige denn ihre Verhältnismäßigkeit zu begründen.

Der Kläger ist auch der Auffassung, dass die stationären polizeilichen Kameras die grundrechtliche Versammlungsfreiheit in unverhältnismäßiger Weise beeinflussen.

Sowohl die Organisator*innen als auch der*die einzelne Versammlungsteilnehmer*in können nicht erkennen, ob sie gefilmt werden und Bilder von ihnen aufgezeichnet und gespeichert werden oder nicht. Dieser Umstand habe einschüchternden Charakter und könne Menschen davon abhalten, Versammlungen zu organisieren und zu besuchen.

Das Polizeipräsidium gibt dazu an, ausreichend darüber zu informieren, dass es die Kameras während einer Versammlung ausschaltet, solange die Voraussetzungen aus dem Versammlungsgesetz nicht vorliegen.

Das ist aber nach Ansicht des Klägers nicht richtig. Die Hinweise in den Anmeldebestätigungen seien lückenhaft, wenn sie überhaupt vorhanden sind; auch auf der Webseite des PP gibt es keine Informationen zum Verfahren bei Versammlungen. Vor Ort erhält der*die Versammlungsteilnehmer*in keine Information, ob bzw. wann die Kameras aufgeschaltet wurden oder nicht. Auch ist bisher nicht erkennbar, ob es eine ordnungsgemäße Dienstanordnung für das Verfahren bei sog. „versammlungsrechtlichen Lagen“ gibt.

2. Klageantrag: Vorbeugende Unterlassung der stationären Videobeobachtung der für vier weitere Kölner Plätze.

Die vier neuen Bereiche sind ebenfalls stark frequentierte und in der Öffentlichkeit sehr beliebte Plätze.

Im Mai 2018 kündigte die Polizei Köln öffentlich an, zukünftig mit Breslauer Platz, Ebertplatz, Neumarkt und Wiener Platz vier weitere Bereiche, davon drei in der Kölner Innenstadt, mit stationären Videokameras beobachten und die Aufnahmen speichern zu wollen. Diese sind ebenfalls stark frequentierte und in der Öffentlichkeit sehr beliebte Plätze.

Deutlich wird aus den vorgelegten sog. „Kriminalitätszahlen“ aus 2015-2017 des Polizeipräsidiums, dass außer beim Ebertplatz die Kriminalitätsbelastung bei allen neu geplanten beobachteten Bereichen rückläufig ist.

Nach den vom Polizeipräsidium räumlich erhobenen Statistiken ist am Ebertplatz  der Anstieg der Kriminalität seit 2015 wesentlich durch den Anstieg von Drogendelikten und damit in Zusammenhang stehenden Delikten ausgelöst. Ob es Sinn macht, einer solchen für eine Großstadt typischen BtM-Szene mit  Videobeobachtung zu begegnen, ist äußerst fraglich. Eher wird es zu Verdrängungseffekten in nicht beobachtete Bereiche kommen. Das Polizeipräsidium verliert in seiner Begründung, Planung und Beantragung beim Land NRW zur Installation von noch mehr Kameras in Köln kein Wort zu Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten, insbesondere der Abwägung mit den Freiheitsrechten Kölner Bürger*innen sowie Besucher*innen , und zwar weder in seinen dem Gericht vorgelegten Unterlagen noch in seiner Klageerwiderung aus Oktober 2018.

Der Kläger fragt sich daher, wer die Prüfung der Einrichtung der neuen Beobachtungsbereiche unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten letztlich vornimmt und sicherstellt.

Insbesondere am Ebertplatz kann der Kläger nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet der Platz, der seit mehreren Monaten eine Wiederbelebung durch die Kölner Bevölkerung erfährt, mit stationärer polizeilicher Videobeobachtung bestückt werden soll. Der Rat der Stadt Köln hat im März 2018 ein Zwischennutzungskonzept für den Ebertplatz bis zu dessen Umgestaltung („Masterplan“) beschlossen und auch entsprechende Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt, um dem öffentlichen Wunsch nach Belebung des Platzes gerecht zu werden.

Die Bürger*innen, die sich auf dem Ebertplatz heute schon in vielfältiger Weise engagieren oder sich nur vermehrt dort aufhalten, befinden sich also zukünftig dabei unter ständiger staatlicher Beobachtung.

Das Polizeipräsidium ignoriert offenbar die durch die Zivilgesellschaft ausgerufene Wandlung, wenn es noch in der Klageerwiderung aus Oktober 2018 mitteilt, dass es seine Pläne zur Ausweitung der Videobeobachtung auch auf den Ebertplatz weiter verfolge bzw. umsetzen werde.

Der Kläger hat daher versucht in seiner Klage darzustellen, dass das städtische und bürgerschaftliche Engagement am Ebertplatz ein milderes Mittel zur ständigen Videobeobachtung und Aufzeichnung darstellt und die Ergebnisse dieses Prozesses auszuwerten und abzuwarten sind.

Aber auch bezüglich der anderen Plätze wird nicht deutlich, warum das Polizeipräsidium hier eine besonders hohe gleichbleibende „Kriminalitätsbelastung“ annimmt und wie sie diese mit Videobeobachtung senken will. Auch hier äußert sich das PP zur Verhältnismäßigkeit in keinster Weise. Des Weiteren hält der Kläger für problematisch, dass die Installation neuer Kameras mit dem „neuen“ § 15 a PolG NRW auch schon dann gerechtfertigt werden kann, wenn nur die Planung und Verabredung von Kriminalität auf öffentlichen Straßen und Plätzen von der Polizei angenommen wird.

Der Kläger hält daher u.a. die Neufassung des § 15a Abs. 1 PolG NRW hinsichtlich Abs. 1 Nr. 2 verfassungsrechtlich für nicht haltbar.

Eine Videobeobachtung ist bisher immer als Reaktion auf wiederholt begangene Straftaten an einer Örtlichkeit gerechtfertigt worden. Die bloße Befürchtung, dass erst zukünftig an einem Ort bestimmte Straftaten begangen werden könnten, reichte für eine Maßnahme nach § 15a Abs. 1 PolG NRW (alt) nicht aus.

Der Kläger ist daher der Meinung, die neu aufgenommene Definition der Örtlichkeit in § 15a Abs. 1 Nr. 2 PolG NRW, an der Kameras installiert werden sollen, sei nicht mehr klar genug gefasst und zu unbestimmt.

Eine besondere Beschaffenheit eines Ortes wird nicht mehr gefordert. Die (neue) Formulierung lässt eine Videoüberwachung faktisch an jedem Ort zu, soweit abstrakt Straftaten lediglich aufgrund einer Annahme drohen sollen. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit angesichts der zahllosen Grundrechtseingriffe anlasslos Betroffener ist damit nicht gewahrt.

3. Klageantrag: Hilfsantrag zur Unterlassung der polizeilichen Videobeobachtung bis zu deren ausreichenden Kenntlichmachung

Der Kläger kritisiert auch die unzureichende Kenntlichmachung der Videobeobachtung und verlangt hilfsweise die Unterlassung der Videobeobachtung bis zu deren ausreichenden Kenntlichmachung. Weder vor Ort noch auf dem Internetauftritt des Polizeipräsidiums (z.B. durch Kartenmaterial mit Aufnahmebereichen der Kameras) kann er erkennen, wann er konkret einen beobachteten Bereich betritt bzw. wie weit die Aufnahmebereiche der Kameras ihn tatsächlich erfassen.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt ihm jedoch den Anspruch, erkennen zu können, wann und wo Daten (von staatlicher Seite) von ihm aufgezeichnet werden, damit er dies z.B. durch eine Umgehung der Beobachtungsbereiche vermeiden bzw. er sich der Aufzeichnung  überhaupt bewusst werden kann.

Zwischen dem Kläger und dem Polizeipräsidium ist aber diesbezüglich streitig, wie häufig und wann bereits räumlich auf die Videobeobachtung hingewiesen werden muss.

Das Polizeipräsidium gibt dazu an, die Kameras seien schließlich ausreichend mit dem bloßen Auge zu erkennen und es reiche aus, lediglich innerhalb der beobachteten Bereiche auf die Kameras hinzuweisen. Der Kläger findet, dass die Kameras bereits vor deren Aufnahmebereichen ausreichend und sichtbar kenntlich gemacht werden müssen.

Daneben moniert der Kläger, dass zahlreiche auch beobachtete Seitenstraßen, die als Zuweg zu den eigentlich beobachteten Straßen und Plätzen dienen, nicht ausreichend als bereits von der Videobeobachtung erfasst gekennzeichnet sind.

Dies weiß das Polizeipräsidium sogar selbst. In den übersandten Unterlagen gibt es Kartenmaterial zu den beobachteten Bereichen aus 2016. Auf diesem Kartenmaterial sind zahlreiche Punkte als mit Hinweisschildern noch zu ergänzen markiert. Diese Ergänzungen bzw. die Installation dieser Schilder sind aber bis heute nicht vorgenommen worden. Warum das Polizeipräsidium mit den Hinweisschildern so geizt, möchte der Kläger daher wissen. Gerade weil es doch argumentiert, dass die Information zur 24-stündigen Videobeobachtung und –aufzeichnung potentielle Straftäter von der Begehung von Straftaten abhalten soll.

Daneben moniert der Kläger, dass es auf den Hinweisschildern und auf dem Internetauftritt des Polizeipräsidiums keine ausreichende Aufklärung über die unerlässlichen und daher gesetzlich vorgeschriebenen Informations- und Auskunftsrechte für die von der Datenerhebung Betroffenen gibt.


Kurz erklärt: zum juristischen Begriff Verhältnismäßigkeit

Unter Verhältnismäßigkeit ist zu verstehen, dass ein staatlicher Eingriff vor allem in Grundrechte

a) einem legitimen Zweck dienen muss,

b) geeignet sein muss, den Zweck auch zu erreichen,

c) erforderlich sein muss, z.B. Grundrechtsträger*innen gegenüber das mildeste Mittel zur Zweckerreichung darstellt und

d) angemessen sein muss, d.h. der Vorteil dem Nachteil gegenüber überwiegen muss.

Das Verhältnismäßigkeitsprinzip hat Verfassungsrang und ist bei allen staatlichen Eingriffen in die Rechte der Bürger*innen zu beachten.


Copyright: das Keyvisual dieser Seite verwendet eine Fotografie unter „Creative Commons“ Lizenz. © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Überwachungskameras Bahnhofsvorplatz Köln, Detail-9900, Collage von Martin Gamper, CC BY-SA 4.0